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Ticks der Jungen, Marotten der Alten
Von: Christine Jäckel - Allgemeine Zeitung
Torsten Hebel mit Esprit-geladener Kleinkunst
Ob ultimativer Gottesbeweis oder emotionale Absaugpumpe – um originelle und schräg-schöne Erklärungsmuster für deutsche und internationale Phänomene ist der Kabarettist Torsten Hebel nie verlegen. Rund 250 Gäste unterhielt der Berliner Comedy-Künstler im Gemeindezentrum Die Brücke mit Esprit-geladener Kleinkunst.
Hebel ist zwar Wahl-Berliner, kann es aber an Mutterwitz mit den geborenen Hauptstadtgewächsen durchaus aufnehmen. So freute er sich auch ungerührt über die ungewöhnliche Einleitung des Kabarettabends mit dem aus einem Geburtvorbereitungskurs entlehnten Lach-Atem-Training.
Als Einführung für das, was folgte, war es jedenfalls goldrichtig, denn die Maxime "Weiteratmen, egal was kommt", dürfte über programmierte Lachkräpfe hinweg geholfen haben. Humor ist in Deutschland eine regional sehr unterschiedlich ausgeprägte Angelegenheit, das hat Hebel im Laufe seiner 12-jährigen Bühnenlaufbahn erfahren.
Das Kreuznacher Publikum konnte sich an den gesammelten Spitzen seiner Humorforschung erfreuen und an den ausgereiften Fähigkeiten des Kleinkünstlers, der mit exzellenter Beobachtungsgabe ausgestattet, Stoff in Hülle und Fülle für sein Bühnenprogramm aus Alltagssituationen bezieht.
Ihrer Natur nach ganz unspaßige Szenen, wie etwa das Lebensgefühl der Werktätigen am Montagmorgen in der U-Bahn oder die verklemmte Ekstase von Gottesdienstbesuchern, verarbeitete Hebel zu süffisanten Parodien, die weitaus mehr als "Bonus-Lacher" hervorriefen. Die Generationen gehören außerdem zu seinen Lieblingsthemen, mit tiefschwarzem Humor wurden die Ticks der Jungen und die Marotten der Alten porträtiert.
Sich selbst ließ der Kleinkünstler beim satirischen Rundumschlag keineswegs außen vor. Als Meister aller Fettnäpchen vom ersten Rendezvous bis zum Ehealltag präsentierte sich der Comedian, der die Gäste im Gemeindezentrum auch spitzzüngig über geschlechtsspezifische Eigenheiten von Männer und Frauenhirnen aufklärte.
Auch die altbekannte Weisheit, dass Frauen und Männer unterschiedliche Sprachen sprechen, entfaltete in der Hebelschen Bühnenbearbeitung einer "göttlichen Humoreske" umwerfende Komik.