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Die Mütter in der Brücke
Von: Heidi Sturm - Allgemeine Zeitung
Zeitungsbericht
Eine köstliche Muttertagsüberraschung boten „Die Mütter“, die mit ihrem abendfüllenden Kabarett-Programm den „alltäglichen Wahnsinn“ auf die Bühne des Gemeindezentrums „Die Brücke“ brachten und Balsam für gestresste Frauenseelen servierten. Das Publikum war begeistert und raste vor Vergnügen. „Wir meinen’s doch nur gut“ – dieser Stoßseufzer aus vollstem Mütterherzen war der Titel des großartigen Spektakels und sorgte bei den „Leidensgenossinnen“, aber auch den mutigen Männern im ausverkauften Haus für kräftigen Muskelkater im Zwerchfell. Veranstalter war die Kindertagesstätte, der mit dieser Alternative zum sonst ausgerichteten Muttertagsfrühstück ein echter Volltreffer gelungen war. „Da können auch Männer zu echten Frauenverstehern werden“, lachte Kitaleiterin Sulamith Mörtzschke, die das Ensemble schon einmal erlebt hatte und sofort begeistert beschloss, die drei Vollblutsängerinnen nebst ihrem Busfahrer, Akkordeonspieler und Pianisten Eberhard Rink nach Bad Kreuznach zu holen.
Die Mütter - das sind Thea Eichholz, Carola Rink und Margarete Kosse: Drei Freundinnen, die es gemeinsam auf acht Kinder bringen und im Selbstversuch alle Herausforderungen des Alltags studieren, um sie dann in wunderschönem Satzgesang als Schnulze, Jodel-Ohrwurm, Hip-Hop oder Chanson mit tiefgründig-witzigen Texten in einem Feuerwerk aus Gags und Slapstick zum Besten zu geben. „Schuld war nur der Navigator“ lautet etwa der musikalische Stoßseufzer, wenn „frau“ wieder einmal vor dem Abgrund steht und die Stimme aus dem Gerät „geradeaus weiterfahren“ fordert. Mal humorvoll, mal nachdenklich singen, plaudern und tratschen die Frauen über ihren täglichen Überlebenskampf und sorgen dabei für jede Menge Wiedererkennungseffekte. Da bekommen nicht nur die daheim gebliebenen Ehemänner ihr Fett weg, die sich zwischendurch per Handy danach erkundigen, wo sie das Essen finden („in dem großen weißen kalten Kasten“) und wie sie es am besten warm machen („In dem Topf der piept, wenn er fertig ist“). Wenn dann noch mit Engelszungen erläutert wird, dass nicht der Wäschetrocker gemeint ist, weil der anders piepst als der Thermomix, biegen sich auch die Herren im Saal vor Lachen. Mit einem gehörigen Schuss Selbstironie werden auch typisch weibliche Eifersüchteleien auf die Schippe genommen: Kaum sind die drei auf der Bühne, verschwinden sie erst einmal hinter dem Vorhang, um im wilden Geschnatter und herrlich zickig auszudiskutieren, wer heute das Sagen hat. Mit spritzigem Wortwitz hangelt sich das temperamentvolle Damen-Trio durch Wäscheberge und mütterliche Instinkte, klagt über den Kinderarzt, der sich nur um das Kind kümmerte, aber nicht um die neue Frisur oder macht sich Gedanken, wie man mit bedruckten Toilettenpapier das Thema Bildung buchstäblich neu aufrollen könnte. Die selbst ernannten Anwärterinnen für „Germany’s Next Top-Mutti“ plaudern lässig über Aussagen von „politischer Tiefe“ (die neue Frisur Ursula von der Leyens oder die drei hässlichen Knöpfe auf dem Blazer Angela Merkels) oder über Klassentreffen mit zunehmenden „Grauschleier“: Da kann man dem Karriereweibchen mit seinem „Mein Gärtner, meine Zweitwohnung in St. Moritz“ so herrlich mit „Mein Thermomix, meine Tuppersammlung“ kontern. Köstlich auch das „Pubertätsmedley“ mit peinlichen Schnittchen und Fencheltee für „Olaf-Sören“ oder dem Versuch, die Pubertätspanik in einer therapeutischen Selbsthilfe-Trachtengruppe dadurch zu bezwingen, indem man das angstbesetzte Wort möglichst oft singt. Und angesichts nerviger dauerplappernder Sprösslinge stellt sich dann unweigerlich die Frage, ob Tinnitus etwa von Teenie kommt.